Kritik zu „Der Bürger“

INTERNATIONALES THEATERFESTIVAL
Monolog über Sehnsucht in der Westentasche

Eine sehenswerte Robert-Walser-Collage zeigt das dreisprachige Monodrama-Festival „Mono bene“.

Ich heiße so und so, kam dann und dann zur Welt, bin so und so alt. Ich bin ein stilles, nettes Mitglied der menschlichen Gesellschaft.“ – „Der Bürger“ stellt sich in der gleichnamigen Collage nach Texten Robert Walsers nur recht vage vor. Nach rund einer Stunde Monolog weiß das Publikum immer noch nicht genau, woran es ist mit diesem gleichmütigen Biedermann. „Gut essen und nicht viel denken“ mache einen guten Bürger aus, meint der Kleingeist, der, hin und her gerissen zwischen Selbstbewusstsein und Chaos, auch seine weiche Seite zeigt: „Die Sehnsucht – wer hat sie uns heimlich in die Westentasche gesteckt?“
Kleine, feine Text-Schnipsel aus dem Werk des Deutschschweizer Schriftstellers Robert Walser (1878 – 1956) montierte der deutsche Schauspieler Halvor Boller zu einem teils kafkaesken Monodrama, das Mittwochabend im Rahmen des Solotheater-Festivals „Mono bene“ in Klagenfurt seine österreichische Erstaufführung erlebte (Regie: Klaus-Dieter Köhler). Nur zehn Zuseher hatten im „Jugendstiltheater“ im Goethepark Platz – und der Schauspieler, der mit Tisch und Stuhl, aber auch vor der Türe und auf dem Dach des Pavillons seine namenlose Figur verkörperte.
„Ich muss noch die Scheinwerfer vom Dach holen“, verabschiedet er sich nach dem Schlussapplaus und turnt über die Leiter hinauf. Heute wird er sie in Krumpendorf aufbauen. Da gibt’s dann 30 Sitzplätze!

Karin Waidner-Petutschnig

Bild: Halvor Boller in dem kafkaesken Solotheater-Stück kartenhausensemble
Quelle: Kritik „kleine Zeitung“ Klagenfurt (20. Oktober 2017)