Kater Murr

Oper mit Kater

Innovativ, wie das LTS sich regelmäßig beweist, kam man über den mittlerweile traditionellen Wettbewerb zum eigenen Stück Erstmals waren Komponisten aufgerufen, mit Siegfried Köhler kürte die Jury einen Hochkaräter (siehe Kasten „Melodien-Zauberer“) für ein Werkstück mit Witz und Charakter.

Den „Kater Murr – Opera piccola für Bambinis bis Teenies“ für Sopran, Mezzosopran und Orchester aus Soloklavier und Schlagzeug mit Drumset, Glockenspiel, Xylophon, Vibraphon und Gong – machte der Komponist daraus. Und nutzte mit eleganter Raffinesse Ausschreibungskonditionen, wonach ein weiteres Instrument neben dem Klavier vorgegeben war. „Für eine sehr farbige Instrumentalisierung“, erläutert Siegfried Köhler. In einer richtigen Oper mit allem, was konventionell dazu gehört: Ouvertüre, Arie, Rezitativ, Duett. Köhler: „Wenn schon Kinderoper, dann wirklich mit dem Ziel, zu zeigen, wie eigentlich Oper geht.“

Ihren Spaß haben die Kinder, Zielgruppe 11 bis 15 Jahre, am „Kater Murr“ allemal, denn der in Ehren ergraute und nach wie vor agile Komponist („das badische Viertele hält jung“) versteht sein Handwerk. Ein Ohrwurm zum Mitsingen klingt schon in der Ouvertüre leitmotivisch an. Überhaupt, so der Wagnerianer Köhler, müsse die Musik zusammenklingen. Deshalb sind immer wieder mal Anklänge an Volkslied oder Kinderlied zu hören, aber auch Zitate von Mozarts Zauberflöte bis Wagners Rheingold, „Operettiges“ aus der Fledermaus von Johann Strauß oder aus dem Schwarzwaldmädel Leon Jessels. Man hat seinen Spaß an musikalischer Lautmalerei dieser eher klassisch-konservativ gefärbten Komposition.

 

Das Libretto schrieb Kolliers Sohn Klaus-Dieter. Vom Fach ist auch er und ein Bindeglied zu Memmingen. Der Regisseur und Weggefährte von LTS-Intendant Walter Weyers bis zurück in Trierer Tage bewegt sich zwischen Schauspiel, Operette und Musical, zwischen Bielefeld, Regensburg, Luxemburg und Münster, hat auch „diese Spielzeit wieder einmal in Memmingen inszeniert.

Die Geschichte zum Wettbewerbs-Thema „Freundschaft“ ist schnell erzählt. Marie (12) ist einsam, der Vater vielbeschäftigter Manager, die Mutter tot. Ihr bleibt einzig ihr Kater. Als sie eines Abends seufzt „wenn du nur sprechen könntest“ und einschläft, schlägt der Kater im Traum wie sein Märchen-Vorbild eine Reise vor. Quer durch Deutschland geht‘ s, Murr gestiefelt voran, in den Schwarzwald und zufälligerweise nach Memmingen ins All-gäu, ans Meer und zum Schluss in den Binger Mäuseturm, wo es beim Zauberer Fafner beinahe böse auszugehen droht. Das Happy End vereint glücklich Tochter, Vater und Kater, samt Überraschung …

Das „Dreamteam“ hatte nach einem halben Jahr Beschäftigung – bei der schon mal „die Fetzen flogen“ (Klaus-Dieter Köhler) – die 50-Minuten-Oper kurz vor Torschluss im November eingereicht. Eine hochrangige Jury – ein Komponist, ein Librettist und Regisseure, der Dramaturg für Kinder- und Jugendarbeit an der Staatsoper München, Opernfachleute und der Leiter der Memminger Musikschule – war amüsiert und angetan. Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger befand: „ein maßgeschneidertes Stück für das LTS, seine Gastbühnen und gerade auch für die Schulen“. Musik mit Witz und Stil, doch ohne Zeigefinger aufgeführt – eine feine Sache, den Opern-Kater ins Klassenzimmer zu holen.

Quelle: Top Schwaben 2010