Trouble in Tahiti

Oper in einem Akt von Leonard Bernstein
Opernschule Mannheim
Premiere am 13. April 2024 im Kulturhaus Mannheim-Käfertal
Musikalische Leitung: Cosima Osthoff
Ausstattung: Ruth Groß
Beitragsfoto: Asad Photo Maldives

Kritik

„Trouble in Tahiti“. Sommer, Sonne, Südsee? Eher „Szenen einer Ehe“, in Käfertal. Hier im Kulturhaus bringt die Opernschule der Musikhochschule Leonard Bernsteins selten gespielten knapp einstündigen Einakter zur Aufführung. Dinah und Tom, ein gutsituiertes Ehepaar in einer amerikanischen Vorstadt, sind seit zehn Jahren verheiratet. Und wie das, manchmal, so ist: getrennte Schlafzimmer, einziges Gesprächsthema beim Frühstück die Qualität von Toast und Kaffee. Dazu wahlweise Besuche beim Psychiater oder beim Handballtraining, von der Affäre mit der Sekretärin nicht zu reden. Klingt deprimierend, ist es auch. Aber keine Sorge, es ist ein – fürs Publikum im gut gefüllten Saal – unterhaltsames Stündchen.

Bernstein hat aus dem Thema ein kurzes flottes Musical gemacht, ein „Operchen“ (geschrieben übrigens während seiner eigenen Flitterwochen, oha…!), drei Jahre vor der „West Side Story“. Was man schon hört: ariose Parlandi, kleine Ensembles, flotte Rhythmen. Gespielt wird hier nicht die Fassung mit großem Orchester, sondern ein Arrangement für acht Musiker, Klavier, Bläser und Schlagzeug, die eine farbige Begleitung zum Geschehen auf der Bühne liefern, die sogar als eigenständiger Soundtrack bestehen könnte. Akaru Sumizawa, der Mann am Dirigentenpult, Student der Hochschule wie alle Protagonisten, weiß Bühne und Graben präzise zusammenzuhalten, gibt den rhythmischen Passagen den nötigen Schwung und den lyrischen genügend Raum.

Auf der Bühne durchleben den Ehealltag Manon Jürgens als Dinah, mit facettenreichem Spiel und kultiviertem farbigen Sopran, durchschlagskräftig, aber auch zu wunderschönem Piano fähig (in der „Garten-Arie“ klingt schon ein sehnsüchtiges „Somewhere“ an). Und Yuhui Liang, der als Tom zwar die undankbarere Rolle abbekommen hat, diese aber mit stählernem Bariton meistert. Und beweist, dass man nicht nur unter der Dusche singen kann, sondern auch beim Aus- und Umziehen, witzig gespielt und inszeniert.

Bühnenbild erscheint als praktikabler Einheitsraum

Wie überhaupt die Regie des Routiniers Klaus-Dieter Köhler zu gefallen weiß mit hübschen Arrangements und glaubhaft transportierten Emotionen. Im Bühnenbild von Ruth Groß, die auch für die phantasievollen Kostüme verantwortlich zeichnet. Ein praktikabler Einheitsraum im Stil der 80er mit zahlreichen Auftrittsmöglichkeiten, die natürlich auch den noch nicht genannten Personen zugute kommen: den drei „Jazzsängern“, hier den obligaten zeittypischen Fernsehserien entsprungen. Jessica Schneider, Stephen Matthews und Ruicheng Yin treiben – entsprechend gestylt – gekonnt singend und tanzend (Choreographie: Matthew Tusa) die Handlung voran und kommentieren. Das Ganze in ein stimmungsvolles Licht gesetzt von Eric Ehrengard. Ein Einwand: Übertitel wären schön gewesen (oder gleich in deutscher Sprache zu singen) – so war es nicht immer leicht, dem englischen Text zu folgen.

Dennoch, eine runde, gelungene Aufführung. Gibt’s denn wenigstens ein Happy-End? Vielleicht. Zumindest geht man gemeinsam ins Kino und sieht den Film „Trouble in Tahiti“ (Aha, also doch!) Und wer’s genau wissen will, möge sich Bernsteins Sequel „A Quiet Place“ anschauen. „Tahiti“ jedenfalls, auch am begeisterten Applaus gemessen, kann die Hochschule gern noch ein paarmal aufführen.