• Klaus-Dieter Köhler Theaterregisseur Traum und Visionen

Traum und Visionen – Die Geschichte eines lächerlichen Menschen

Eine Poduktion des KARTENHAUSENSEMBLE

Eine Szenen-Collage von Halvor Boller nach Texten aus „Traum eines lächerlichen Menschen“ von Dostojewski (1877), „Ottomars Begräbnis“ aus Unsichtbare Loge von Jean Paul (1792) und „Vril“ von E. Bulwer-Lytton (1871).

Uraufführung am 15. Oktober 2019 auf dem Mono Bene Festival, Klagenfurt

 


 

Kritik

Mit skurrilem Stück zum Wörthersee

Von Anja Baumgart-Pietsch

STRINZ MARGARETHÄ. Halvor Boilers neues Ein-Mann-Stück wird dieses Mal in Klagenfun zur Premiere kommen. Dort findet alle zwei Jahre ein Theaterfestival statt: „Mono Bene“ be­deutet, es kommen nur Ein-Per­sonen-Stücke zur Aufführung, ohne Musik, Tanz, Technik und mit möglichst minimalen Requi­siten. Veranstalter ist der „Verein zur Anregung des dramati­schen Appetits“. An sechs unkonventionellen Orten, da­ runter einem ehemaligen Ju­gendstil-Pissoir-Häuschen, das zur „kleinsten Bühne der Welt“ mit zehn Zuschauerplätzen um­gebaut wurde, werden die Stü­cke gezeigt. Schon 2017 war Boller in Klagenfurt zu Gast. Auch dieses Jahr ist er wieder eingeladen worden und hat dafür in Zusammenarbeit mit Re­gisseur Klaus-Dieter Köhler eine neue Textcollage „Traum und Visionen“ verfasst.

Einstündiger Monolog mit Orgel in der Kirche

Damit auch das Publikum in Strinz-Margarethä, wo Halvor Boller die Stücke seines „Kar­tenhausensembles“ sonst in der heimischen Scheune aufführt, in den Genuss von „Traum und Visionen“ kam, organisieren Boller und Köhler eine „öffent­liche Generalprobe“ in der evan­gelischen Kirche. Ein Kirchen­raum ist wie geschaffen für den gut einstündigen Monolog, den Halvor Boller aus Texten dreier Autoren zusammengestellt hat. Denn es geht um Leben und Tod, um Grenzen und Sinn des Lebens, Verzweiflung und Hoffnung. Dostojewskis „Traum eines lächerlichen Menschen“. Jean Pauls „Die Unsichtbare Lo­ge“ und Edward Bulwer-Lyttons „The coming Race“ sind die drei Werke, aus denen Halvor Boller geschickt Texte kombiniert hat. Als „lächerlicher Mensch“ rollt der Schauspieler zu Anfang einen Holzwagen hinein, trägt seine Kleidung „auf links gedreht“ und wirkt daher schon optisch grotesk. Auch was dieser Protagonist hin- und hersiniert, über seinen geplanten Selbstmord, den er doch nicht verwirklichen kann, ist grotesk. Der Wagen zerbricht, die Kiste, die darauf steht, schleppt Boller vor die Altarstufen. Sie wird ihm später als Sarg dienen, in dem er als Jean-Paul-Figur „Ottomar“ lebendig begraben ist, doch wieder erwacht. Gespens­tisch wirkt das nur durch eine kleine Leuchte in der Kiste be­schienene Gesicht.

Zum Stück in der Kirche ertönt auch die Orgel: Hier musiziert die Strinzer Organistin Gisela Diefenbach, die sich im Anschluss vollkommen begeistert von dem für sie äußerst ungewöhnlichen Einsatz zeigt. Der Schauspieler erklimmt die Or­gelempore, singt „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Doch schnell geht es wieder in den Abgrund, mit Texten aus Bulwer-Lyttons merkwürdigen Science-Fiction-Roman mit poli­tisch-utopischen Satiregedanken. Aber endlich bringt Halvor Boller sein Wägelchen wieder zum Rollen (auch wenn es ganz zum Schluss wieder außerplan­mäßig zerschellt) und beendet den Abend voller eigenartiger Denkanstöße nicht nur mit einem „Abendmahl“ der beson­deren Art, sondern mit einer letztlich positiven Note. „Ich spiele das gerne auch in ande­ren Kirchen, man kann mich da gerne kontaktieren“, sagt der Schauspieler. Doch jetzt geht es erst einmal nach Kärnten zum „Mono Bene“.

 


 

Galerie