Diese Nacht – oder nie!

Komödie von Laurent Ruquier

Geschlechter-Duell im Blumenladen: Der französische Erfolgsautor Laurent Ruquier seziert das Beziehungselend von Großstädtern und lässt eine resolute Mittvierzigerin auf einen eitlen Callboy treffen…

Ausstattung: Melanie Schober
Musikalische Untermalung: Ulli Bareiss

Premiere: Wiesbadener Kammerspiele, Freitag, den 9. April 2021


Kritik

Liebeslieder, Wortwitz und Überraschungen

Komödie „Diese Nacht – oder nie!“ feiert Premiere in den Kammerspielen

Von Hendrik Jung

WIESBADEN. „Diese Nacht – oder nie!“ Der Titel der Komödie von Laurent Ruquier ist geradezu programmatisch für die Kammerspiele Wiesbaden. Schließlich öffnen sich zur Premiere erstmals seit sieben Monaten wieder die Türen des Hauses für das Publikum, das es nun zurückzugewinnen gilt.

Der Inszenierung von Klaus-Dieter Köhler dürfte das gelungen sein. Zumindest die 38 Gäste, die dank transparenter Plexiglasscheiben auf den 72 Plätzen untergebracht werden können, amüsieren sich von Beignn an über die Geschichte um ein befreundetes Paar, von dem lediglich die eine Hälfte mehr aus der Beziehung machen möchte. Bei aller Heiterkeit merkt man der immer flotter werdenden Inszenierung an, dass es dem Regisseur nicht darum geht, nur auf die humorvolle Karte zu setzen. Nicht umsonst wird eine der stärksten Szenen von Schicksalsmelodie aus dem Film Love Story untermalt. Wie oft in dem Stück erhält auch diese Szene aber eine überraschende Wende.

 

Viel Musik und ein bisschen Tanz

Eine weitere Konstante der Komödie ist die Musik, die einen breiten Querschnitt durch die Literatur der Liebeslieder bietet. Claudia Felix als Claudine zieht bei deren Interpretation alle Register. Wird ihre Hoffnung auf eine Beziehung mal wieder enttäuscht, singt sie mit fragil-brüchiger Stimme. Geht es in die Sopran-Lage, färbt sie ihre Darbietungen oft unbedarft-naiv ein. Ausdrucksstark wird ihr Mezzosopran vor allem, wenn es in tiefere Lagen geht, wie bei dem Chanson „Mon amour, mon ami“. Klaus Nicola Holderbaum in der Rolle ihres Kumpels Valentin stimmt lediglich beim Namika-Hit „Lieblingsmensch“ ein,den der Regisseur eingebaut hat, weil er thematisch perfekt passt.

Genau wie die liebevoll nachgespielte Adaption des Intros zum Fernsehserien-Klassiker „Mit Schirm, Charme und Melone“. Holderbaum bringt mit geschmeidigen Bewegungen sein tänzerisches Talent zum Einsatz, das der Inszenierung zu ihrem Wortwitz immer wieder auch gestisch gelungene Passagen verleiht.

Das Bühnenbild ist ausgesprochen floral, bis hinauf zum Kronleuchter. Kein Wunder, spielt die Handlung doch weitgehend in Claudines Blumenladen mit dem bezeichnenden Namen „Sträuße mit Biss“. Dort soll es ihr gelingen, die seit fünf Jahren herrschende Routine aus gemeinsamen Alkohol- und Fernsehkonsum zu durchbrechen und für „Bestäubung“ zu sorgen, wie es Valentin in seiner Interpretation der Sprache der Blumen ausdrückt. Er wiederum ist zufrieden damit, mit seinem besten Kumpel unkomplizierte Vertrautheit zu genießen, nachdem er bei der Arbeit seinen Mann gestanden hat. Besonders schön bringen die beiden das bei der Kommentierung eines Fußballspiels auf die Bühne.

Wie nicht anders zu erwarten, wird die Leichtigkeit durch den Versuch zunichtegemacht, eine ernste Beziehung daraus zu machen. Plötzlich werden die Gespräche verkrampft bis verletzend, zumal sich herausstellt, dass sich die beiden nach fünf Jahren doch nicht so gut kennen wie gedacht.

Das Zusammenspiel von Felix und Holderbaum ist in jeder Gefühlsregung griffig und glaubwürdig. Das ist sicher auch der Herangehensweise der Kammerspiele zu verdanken, wo es während der Probenarbeit im Lockdown zu internen Aufführungen gekommen ist. „Wir wollten Wettbewerbscharakter haben. Ein Stück entwickelt sich ja auch während der Aufführungen“, erklärt der Intendant Gregor Schober. Dazu gibt es nun wieder Gelegenheit vor größerem Publikum.

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